Tag 6: Genügend Reichweite?

Jetzt steht für uns eine der schwierigsten Etappen bevor. Auf unserer heutigen Route haben wir während 200 km keine Zwischenlademöglichkeit. Unser Auto hat jedoch auch nur eine realistische Reichweite von etwa 150 km – vielleicht 250 km. Wir fahren durch das mehrheitlich unbewohnte Lappland von Finnland. Für uns bedeutet das ohne Heizung und absolut Energie sparend zu fahren bei max 60 km/h. Bei dieser Geschwindigkeit ist der Verbrauch am geringsten. Auf unserem Weg zur nächsten und einzigen Lademöglichkeit sehen wir gleich zweimal Rentiergruppen (dieses Mal lebendig). Es stimmt tatsächlich, dass es sie nicht interessiert ob ein Auto kommt oder nicht. Sie bleiben ganz gemütlich stehen und gehen, wenn sie es dann mal machen, ziemlich langsam in die Schneefelder neben der Strasse zurück.

Bei der Ladestation angekommen, laden wir und das Team vier unsere Autos an einem Typ 2 Lader mit je 11kwh. Beide versuchen mit dem CCS-Lader zu laden. Bei uns klappt es problemlos. Team 4 kämpft mit ihrem Lader, denn er startet zwar immer wieder aber bricht auch schnell wieder ab. Sie beschliessen vorerst mit dem Typ 2 zu laden und anschliessend, wenn wir vollgeladen sind mit unserem Lader einzustecken. In der Zwischenzeit gehen wir in den kleinen Laden, der inklusive Lade- und Tanksäulen mitten im Nirgendwo ist. Drinnen wärmen wir unsere Eiskalten Hände und Füsse auf, denn in unserem Auto ist die Belüftung der Frischluft so blöd platziert, dass es uns die kalte Luft von draussen genau auf unsere Füsse bläst. Inzwischen ist auch der Tesla Model X dort angekommen und will laden. Nach einigem umgestöpsle und neu aktivieren der Säule funktioniert dann alles wie es soll. Im Shop spendiert Irene vom Team 2 uns noch kuschlige Socken, welche bis -30° warm geben. Ausserdem entdecken wir diese typischen „Russenmützen“ und wir probieren sie Spasseshalber mal an. Weil sie mir wirklich gut meinen Kopf und meine Ohren wärmt, kaufe ich sie mir für 16 Euro und Remo kauft sich eine für 23 Euro. Zuerst pruste ich richtig los, als ich ihn das erste Mal mit diesem Ding auf dem Kopf sehe, denn er sieht aus wie Bigfoot oder wie einer der Amish men ohne Hut.

Nach zwei Stunden Aufenthalt wagen wir es weiter zu fahren. Das Team 2 bleibt noch ein wenig länger als wir und das Team 4 konnte an unserem Lader ebenfalls voll Laden. Also geht die Fahrt ins Ungewisse los. Wir wissen, wenn wir heute stehen bleiben, haben wir keine Chance, eine Ladestation zu finden. Bei dieser langsamen Geschwindigkeit brauchen wir deutlich länger, als die Teams mit einer grösseren Reichweite. Inzwischen sitze wieder ich hinter dem Steuer und schleiche die Hügel mit 20-30 km/h hoch, um den Verbrauch so gering wie möglich zu halten. Im Auto wird es stetig kälter. Aber auf das sind wir vorbereitet und dick eingepackt. Meine grösste Sorge gerade ist die Reichweite. Werden wir es schaffen?

Mit einem wunderschönen Sonnenuntergang im Rücken fahren wir durch die Landschaft (wohlgemerkt, es ist erst mal gerade 13:30 Uhr). Stetig achten wir immer darauf wie sich die Differenz zwischen Reichweite und Fahrdistanz ändert. Die Anfangs 100km Unterschied gehen schnell auf 70km runter. Da wir ohne Heizung fahren und der Weg mehrheitlich flach verläuft, kann ich diese Differenz relativ stabil halten. Wir fahren viele Kilometer ohne ein einziges Haus zu sehen. Das ist etwas beängstigend, denn wenn jetzt etwas wäre, sind wir mitten in der Pampa und der Kälte ausgesetzt. Die einzigen Gebäude, die dann mal auftauchen, sind die vom Zoll zwischen Finnland und Norwegen. Allerdings realisieren wir gar nicht, dass das der Zoll war, denn es sieht einfach aus wie eine reichere Siedlung. Es hat kein Zollhäuschen oder eine Barriere. Nichts das es aussehen lässt wie eine Grenzüberschreitung.

Jetzt ist auch der Tesla wieder hinter uns und folgt uns die gesamte Strecke lang auf dem Weg zum „Alta River Camping“. Zuversichtlich kommen wir immer näher nach Alta. In unserem Whatsappchat lesen wir, dass die ersten Teams bereits angekommen sind und sich um die Vorbereitung des gemeinsamen Abendessen kümmern. Endlich sind auch wir im Hotel und haben erstaunlicherweise noch 70km in der Batterie übrig. Über die Nacht schlafen wir in einem typisch norwegischen Hütten Camping. Wir teilen uns ein Haus mit dem Team 4 (Sangl-Dave). Team 1 hat inzwischen für alle ein leckeres Abendessen zubereitet. Wir treffen uns alle in der öffentlichen Grillhütte. Es gibt super leckeren Lachs (selber gewürzt von Dominique), Steak, backed Potatoes und Salat. Da es jetzt schneit, fällt die geplante Nordlicht-Jagd ins Wasser (oder in den Schnee 😉 ).

Wir besprechen noch unsere Fahrt vom nächsten Tag ans Nordkapp und was die Risiken/Gefahren sein können.
Nach dem „Meeting“ für den nächsten Tag gehen wir in unsere Hütten und ins Bett.

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