Tag 4: Glatteis mit Folgen

Früh morgens um 3 Uhr sind wir in Umeå. Auf unserer Karte (Chargemap, APP oder auch als Webseite) sehen wir drei CCS-Ladestationen verzeichnet. Leider funktioniert nur eine einzige und eine der eingetragenen Stationen gibt es gar nicht. Also fahren wir zu der Ladestation, die im Gebrauch ist und versuchen sie zum Laufen zu bringen. Mit all unseren Ladechips und APPs versuchen wir, die Station zu starten, denn unser Auto ist inzwischen stark abgekühlt und wir frieren in der Kälte. Jedoch springt die Ladesäule nicht an und unsere Batterie ist so gut wie leer gefahren, durch das ganze Gesuche in der Stadt nach einer funktionierenden Station. Und jetzt? Bleiben wir jetzt stecken?

Wir wenden uns an Jann und Peer und fragen sie, ob irgendwie die Möglichkeit besteht, die Ladung aus der Ferne zu aktivieren. Die beiden probieren und machen über eine halbe Stunde lang uns das Laden zu ermöglichen. Wer im Whatsapp Chat „eNordkapp-Challenge.org“ mit dabei ist, hat vielleicht mitbekommen, dass unseretwegen einiges gelaufen ist. Wir fragen unsere Mitleser und -fieberer, ob uns jemand aus Deutschland oder der Schweiz helfen kann. Gleich mehrere melden sich, die helfen wollen. Während andere schon/noch schlafen, kümmern sich einige Helfer darum, uns diesen Lader zu aktivieren. Nach kurzer Zeit der Nachfrage im Chat, meldet sich Markus bei uns. Er versucht mit seinem Handy alles zu aktivieren und schreibt uns erst Mal, dass er alles einrichten muss und danach, dass es laden sollte. Leider fängt es nach seiner Nachricht aber nicht an zu laden. Also ruft Remo bei ihm an und löst das Problem direkt telefonisch. Und ENDLICH! Unser Auto kommuniziert mit der Ladestation und die Stromzufuhr wird ausgelöst. WIR LADEN! Nach über einer Stunde. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Markus, der sich mitten in der Nacht die Zeit nimmt, uns aus der Patsche zu helfen.
Wir laden unser Auto voll und beginnen zu heizen, denn das Auto ist total herunter gekühlt… Im Sommer vielleicht ganz angenehm aber im Winter nicht unbedingt erwünscht. Nach über einer Stunde stecken wir unser Auto ab und fahren weiter zur nächsten Station. Aktuell haben wir noch einen guten Vorsprung zu den anderen Teilnehmern und fahren zur nächsten CCS-Station, um so gut wie möglich im Zeitplan zu bleiben. An der Station angekommen, funktioniert alles perfekt. Es beginnt zu regnen. Leider ist noch vor sechs Uhr in der Frühe, weshalb die Tankstelle, bei welcher die Station (inklusive grosser Ausstattung an Tesla Superchargern) ist, noch geschlossen ist. Sehr zu meinem Nachteil, denn ich muss dringend mal auf die Toilette…Wie mache ich das jetzt? Etwa eine viertel Stunde suche ich im kalten Regen eine Möglichkeit, meinem Bedürfnis nach zu gehen. An einer Stelle (nach der Waschstrasse vor Ort) hat sich ein Eisbuckel gebildet, den ich unter dem Schnee nicht gesehen habe. Wie gut, dass ich gute Schuhe an habe, denn ansonsten hätte es mich der Länge nach auf den Boden gelegt.

Zurück im Auto ist der Regen nicht besser und im Gruppenchat, schreibt Jann uns, dass das Eisregen ist und wir aufpassen sollen. Wir nehmen das zur Kenntnis und schlafen im Auto eine Runde.

Das Auto ist voll geladen und wir fahren in der Dunkelheit weiter in Richtung Luleå. Bereits seit einer halben Stunde sind wir wieder unterwegs, als uns ein Polizei-Sprinter mit hohem Tempo überholt. Gleich zwei solcher Autos fahren an uns vorbei. Erst denken wir uns nichts dabei und fahren gemütlich weiter. Nach einer kurzen Zeit merken wir aber, warum die Polizei derartig schnell an uns vorbei gefahren ist. Vor uns auf der Autobahn taucht in der Dunkelheit der Warnblinker eines Fahrzeuges auf. Remo fängt an zu bremsen und fährt langsam hinter das Fahrzeug, bis wir komplett stehen. Auch wir stellen unseren Warnblinker an und warten erstmal ab, was geschieht. Bald schon sehen wir einen Mann, der eine Leuchtweste und einen, wie eine Art von Feuerwehrhelm trägt und von Auto zu Auto geht. Er kommt bei uns an. Die Fensterscheibe fährt herunter und wir  begrüssen ihn auf Englisch, sodass er direkt weiss, dass wir kein Schwedisch können. Mit einem brüchigen und akzentreichem Englisch erklärt er uns, dass die Fahrbahn wegen Glatteis gesperrt ist und sie erst einmal die Strasse besanden müssen. Aber wenn wir wollen, können wir hier warten oder noch umkehren. Wir entscheiden uns ganz klar für die zweite Variante, denn bis hier wieder aufgemacht wird, ist unser Akku leer und wir frieren im Auto. Also fahren wir auf die Gegenfahrbahn (Leitplanke wurde geöffnet) und wir fahren zurück zu der Ladestation an der wir waren. Dort angekommen, stecken wir unser Fahrzeug wieder ein und schlafen nochmals ein.

Nach einer Weile werden wir durch ein Klopfen an der Fensterscheibe geweckt. Es ist inzwischen hell geworden und die anderen sind an der Ladestation angekommen. Sie lassen uns noch Zeit zum Schlafen und wir heizen währenddessen komplett auf.

Wir besprechen uns mit den anderen, dass wir zur Weiterfahrt nach Luleå einen anderen Weg fahren, als via die Autobahn, um weitere Sperrungen zu vermeiden. Also fahren wir zu viert (Hyundai Kona Team 3, Tesla Model X Team 2, JAC e-s2 Team 5, Jaguar I-Pace Team 1, von vorne nach hinten aufgereiht) als Konvoi weiter zu den Ladestationen. Zirka eine Stunde lang fahren wir in dieser Konstellation, bevor Team 2 sich verabschiedet um einen Supercharger zu finden. Mit den beiden anderen Teams fahren wir weiter zur herausgesuchten Ladesäule. Wir verteilen uns in mehrere Richtungen. Die Ladestation, die wir ansteuern, steht vor einem Einkaufszentrum. Eigentlich ideal. Leider ist sie defekt und es existieren nicht einmal mehr Kabel. Das Team 1 schreibt uns, wir sollen doch an ihre Ladestation kommen. Die ist gratis und sie wollen sowieso gleich weiter, um in einem Restaurant dann noch etwas zu essen.

Wärend wir voll laden, wartet ein Tesla Model 3 geduldig, bis der gratis Stecker wieder frei wird und gleichzeitig essen wir jeweils eine Dose Ravioli. Anschliessend geht unsere Fahrt weiter in Richtung Rovaniemi.

Beim nächsten Zwischenladen treffen wir wieder auf Team 1 und 3. Sie laden an jeweils einer Typ 2 (11kwh) Ladestation. Sprich, nicht wirklich schnell. Deshalb schlagen wir vor, unseren mobilen Lader, welchen wir im Auto haben, an die Ladestation anzuschliesen und dann die Fahrzeuge über CCS etwas schneller zu laden. Zu unserer Enttäuschung will der Lader nicht mit der Ladestation funktionieren. Also müssen unsere Fahrzeuge alle langsam laden. Da erfahren wir, dass etwa 100m weiter, eine Schnellladestation steht, die allerdings nicht mit den Fahrzeugen von Team 1 und 3 funktioniert. Remo und Alfred (Team 3) testen aus ob es mit unserem JAC e-S2 vielleicht funktioniert. Zu unsererm Glück klappt das Laden mit unserem Auto. Jetzt können wir wenigstens alle drei Fahrzeuge gleichzeitig laden.

Nach dem unser Auto vollgeladen ist und die anderen Autos auch ausreichende Reichweiten geladen haben, geht es für uns weiter in Richtung Grenze von Finnland. Nach der Grenze nutzen wir noch die einzige, mögliche Ladestation vor dem Hotel in Rovaniemi, um das Auto nochmal etwas aufzuladen. Typisch Finnland hat es in dem benachbarten Tankstellenshop sogar eine öffentliche Sauna. Das letzte Stück zum Restaurant, wo für uns Abendessen geplant ist, verläuft reibungslos.

Durch die Zeitverschiebung ist unsere Ankunft im Restaurant um 23:00 Uhr. Da die Küche schon geschlossen hat, bekommen wir nur noch eine Portion Pommes für 10€… Obwohl ein komplettes Abendessen für alle bezahlt ist. Anschliessend besprechen wir in der Gruppe unser Vorgehen der nächsten Tage, weil wir alle der Meinung sind, dass wir es sonst nicht schaffen (aus Müdigkeit, zu wenig Lademöglichkeiten etc.).

Zuerst dikutieren wir im „Arctic Snow Hotel“ weiter nach dem kurzen Essen. Erstmal gibt es Meinungsverschiedenheiten und wir kommen zu keinem Entschluss. Um 23:45 Uhr werden die Lichter ausgestellt und wir werden „verjagt“.

Demnach fahren wir alle in die Stadt zurück zum Hotel und besprechen dort in Ruhe weiter, was unsere Lösung ist. Dort einigen wir uns um 01:30 Uhr darauf, dass wir die lange Etappe aufteilen und am nächsten Tag anstatt nach Alta, wie geplant, nach Hetta fahren. Nun gut, wir haben unsere Lösung, jetzt müssen noch die Autos geladen werden. Es wird in Gruppen aufgeteilt und mit dem Tesla wird der Shuttle gemacht. Ich bin in der Zwischenzeit bereits im Bett und weiss deshalb nicht, wann Remo zurück kommt. Wichtig ist, dass er zurück kommt und unser Auto lädt, sodass wir ohne Probleme am nächsten Tag voran kommen.

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