Tag 1: Das Abenteuer geht los!

Am 25.12.2019 um 23:30 Uhr geht es los für das Team 5, „Nordic Dream“. Unsere erste Etappe von Möhlin nach Hamburg mit 827km steht uns bevor. Nervös und aufgeregt verabschieden wir uns für zwei Wochen bei unseren Familien, Remos Bruder und Vater und Ilkas Eltern (ihr Bruder hat sich bereits am Nachmittag verabschiedet). Besorgt und ebenfalls nervös, werden wir umarmt und mit Ratschlägen jeweils verabschiedet. Dann geht es los!

Wir beide sind total aufgeregt und können es noch gar nicht glauben, dass die lange Reise endlich losgeht und wir durch (hoffentlich vorhandene) Ausdauer und Geduld allen beweisen können, was wir mit Elektroautos schon erreichen können. In Rheinfelden CH fahren wir auf die Autobahn in Richtung Deutschland. Während wir noch in der Schweiz sind, aktivieren wir unseren Glympse-Link, um unsere Familie und die anderen Teilnehmer der Challenge auf dem Laufenden zu halten. Ausserdem haben wir unseren ersten Ladestopp heraus gesucht. Mit unserer Reichweite von aktuell 250 Km, fahren wir erstmal bis kurz vor Baden Baden. Bei der Raststätte mit den Ladestationen fahren wir um zirka 01:30 Uhr aus. Es hat gesamthaft drei CCS-DC Schnellladeranschlüsse. Zwei von ihnen sind an einer einzelnen Säule angebracht, der dritte an einem Triple Charger (Ladestation mit den Ladetypen Typ 2, CHAdeMO und CCS). Leider verstehen  wir die Säule mit den zwei CCS-Ladern nicht und müssen umparkieren zum Triple Charger. Dieser ist von der ABB und lässt sich ohne Probleme aktivieren. Im Nachhinein stellen wir fest, dass wir nicht pro kwh bezahlen, sondern nach Minuten an der Ladestation…das macht für unsere Finanzierung einen gewaltigen Unterschied. Deshalb entscheiden wir uns das Auto auf 50% zu laden und weiter nach Karlsruhe zu fahren. Um 03:15 Uhr kommen wir im Dunkeln an der Ladestation in Karlsruhe an. Nachdem sich die Ladestation beim zweiten Anlauf doch noch dazu überzeugen lässt unser Auto zu laden, beschliessen wir, das erste Mal zu schlafen. Mit der eingepackten Alumatte, um die Frontscheibe im Schnee frei zu halten, bauen wir uns eine kleine Wand, um das Licht von draussen abzuschirmen. Der Wecker ist für eineinhalb Stunden später (04:45 Uhr) gestellt und die Heizung eingeschaltet, dass wir wenigstens während dem Laden die Chance auf ein warmes Auto haben.

Unser Wecker klingelt, wir wachen auf und unser Auto ist wieder zu hundert Prozent geladen. Also, Auto ausstecken, Fahrerwechsel, kurz noch einen Schluck Kaffee aus der jeweils eigenen Thermoflasche und ab zur nächsten Ladestation. Remo fährt uns weiter nach Frankfurt am Main, eine „Europastadt“, wie wir kurz vor der Autobahnausfahrt festgestellt haben. Während der Fahrt passierte nicht viel, bis auf ein paar komische Autofahrer, die uns lieber ewig eine Lichthupe nach der anderen gegeben haben, anstatt uns zu überholen. Kurz vor 6 Uhr, fährt ein ungeduldiger Autofahrer auf der ganz rechten Spur (auf einer dreispurigen Autobahn) mit eingeschaltetem Fernlicht/Scheinwerfer, länger hinter uns. Remo ist bereits langsam müde und stört sich, verständlicherweise, an diesem hellen Licht. Er gibt dem „Verfolger“ den Warnblinker, um ihm zu zeigen, dass er ihn blendet und überholen soll. Ziemlich schnell zog er dann an uns vorbei. Ich (Ilka) bekomme nicht ganz alles mit, weil ich selbst schon langsam müde bin. Kurz nachher sehe ich auf der Frontscheibe, dass Remo Scheibenwischwasser gesprüht hat und ich frage ihn, was er vor hatte. Er antwortet mir, er wollte dem „Verfolger“ von eben eine Lichthupe zurückgeben, hat aber den falschen Hebel erwischt. Ich bekomme daraufhin erstmal einen Lachkrampf, der zirka fünf Minuten dauert. Bis wir den ersten Wolkenkratzer von Frankfurt sehen, kann ich mich nicht beruhigen. Demnach Zeit für die nächste Schlafpause. Weil wir noch etwa knapp vierzig Prozent in der Batterie haben, wissen wir, dass wir keinen langen Aufenthalt haben und demnach nur eine dreiviertel Stunde schlafen können. Also Schlafmaske auf und nochmal gute Nacht.

Nach dem Ladestopp fährt Ilka wieder weiter bis kurz vor Kassel. Remo ist noch müde und ich gebe ihm meine Schlafmaske, dass er in Ruhe noch weiter schlafen kann. Während zwei Stunden fahrt und 160Km Weg, fahren wir die Hügel hoch und runter. In Knüllwald (witziger Ortsname) haben wir unseren nächsten Halt. Um 09:30 Uhr kommen wir an der Ladestation an und haben per Zufall eine kleine Bäckereiin der Nähre, in der wir endlich mal was Kleines essen können. Wir rechnen aus, dass wir für die restlichen 335Km bis nach Hamburg nur noch einen Zwischenstopp brauchen. Kurz vor elf Uhr, fahren wir dann weiter.

Wir sind unterwegs in Richtung Hannover, unserer letzten Ladestation auf der heutigen Reise nach Hamburg. Wir haben eine angenehme Fahrt, ist jedoch langsam anstrengend. An der Ladestation angekommen, sehen wir plötzlich, dass sie besetzt ist…bevor wir irgendwie in Panik geraten, besprechen wir uns mit dem Fahrer des Hyundai Ioniq, der am laden ist. Freundlich und mit einem lustig klingenden Akzent, erklärt uns der Fahrer, dass sie noch zirka zwei Minuten am CCS-Lader sind. Nochmals Glück gehabt. Für den Notfall haben wir uns immer noch Ladestationen in der Nähe unserer geplanten Station gesucht, dass wir noch ausweichen könnten. Hier ist das jetzt aber nicht der Fall. Der Fahrer erzählt uns, dass sein Sohn jetzt zwei Wochen Urlaub hat und sie von Belgien her unterwegs sind. Interessiert mustert er unser Auto. Zuerst hält er ihn für einen Hyundai Kona, bis er feststellt, dass die Schnauze nicht ganz zu dem Bild eines Kona passt. Wir zeigen ihm das Auto kurz von aussen und erzählen ihm, dass der JAC e-S2 aus China importiert wurde und wir ihn für unsere Fahrt ans Nordkapp gesponsert bekommen. Er fragt uns, ob er ein Foto vom Auto und anschliessend von uns machen darf. Lachend sagen wir natürlich ja. Wir wünschen ihnen eine gute Weiterreise und können anschliessend unser Auto laden. Um 15:10 Uhr fahren wir unsere letzte Etappe vom Tag. Ilka fährt die letzten 130Km bis nach Hamburg. Remo ist nochmal eingepennt und für mich wird es anstrengend und die Müdigkeit setzt ein. Zusätzlich merke ich, dass wir den ganzen Tag gesessen sind, weil mein Rücken sich meldet. Die letzten 10 Kilometer ziehen sich nur so dahin. Nach gefühlt all 200 Metern schaue ich auf die Kilometer und Minutenanzahl bis ans Ziel. Nach ein er gefühlten Ewigkeit und effektiven 15 Minuten erreichen wir endlich das Hotel Lindtner in Hamburg in der Region Heimfeld. Einfach nur noch k.o. werden wir an der Einfahrt herzlichst mit winken und Applaus vom Team „Underdogs“ begrüsst. Beim Aussteigen werden wir begrüsst und beglückwünscht, denn wir haben es als ZWEITES TEAM ins Hotel geschafft. Nach dieser Leistung checken wir im Hotel ein und entspannen den Abend noch mit einer langen, warmen Dusche und einem leckeren, edlen (aber ziemlich kleinen) Abendessen.

6 Gedanken zu „Tag 1: Das Abenteuer geht los!

  1. Knüllwald kennen wir auch noch von früher. Dort haben wir immer Station auf dem Weg in den Norden gemacht.
    Wie viele Teams seid ihr denn?
    Bin gespannt auf weitere Berichte.

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